App Economy

Mobile-Marketing und -Strategie von Josef Mayerhofer

Freemium, was ist das? – Die Geschichte des gierigen Verschenkens

Noch vor wenigen Jahren war die Wahrscheinlichkeit in App-Stores reich zu werden deutlich höher, und zwar nur, weil man zuerst da war. Geschichten wie die von Trism 2007 faszinierten tausende Indie-Entwickler nach ihrer eigenen Ölquelle zu bohren. Wie im Ölrausch des 19. Jahrhunderts klappte das nur bei den wenigsten – andere wurden tatsächlich reich, expandierten und dominieren heute die App-Landschaft.

Seit 2007 haben sich die Verhältnisse auch durch neue Bezahlmodelle grundlegend verändert. Seit 2009 erlaubt Apple In-App-Käufe innerhalb kostenloser Apps, 2011 zog Google nach. Heute dominiert das Freemium-Modell die Umsätze. 

Dabei ist „Freemium“ ganz und gar nicht neu. Einer, der diese Strategie schon im echten Ölrausch für sich nutzte, war John D. Rockefeller. Seine Karriere begann er als Buchhalterlehrling und endete damit, dass er der reichste Mensch der Geschichte wurde. Anfang der 1880er Jahre wurde 85 % des weltweit geförderten Erdölvolumens in Pennsylvania produziert. Und wenn man zu dieser Zeit von Erdöl sprach, dann meinte man Rockefellers Öl. Zwei Drittel des Erdöls wurden exportiert und Rockefellers Unternehmen, Standard Oil, suchte nach immer neuen Absatzmärkten. 

1882 entsandte Standard Oil einen Händler namens William Herbert Libby nach China, wo er die Nachfrage nach Kerosin ankurbeln sollte. Bis zur Einführung des Automobils waren Kerosinlampen die größten Verbraucher von Erdöl. Und so war es Libbys Aufgabe, Kerosinlampen zu verteilen. Er verschenkte acht Millionen „Mei Foo“- oder „Viel Glück“-Kerosinlampen oder verkaufte sie zu Schnäppchenpreisen. Libbys Strategie war ein großer Erfolg. Die Lampen wurden in der Tat tief ins Herz von China transportiert. Bald hatte Standard Oil sowohl das Monopol auf Brennstoff durch chinesische Erdnussöl-Händler, als auch das Vorurteil der Dorfpfarrer gegen Kerosin gebrochen. Rockefeller ließ die Lampen verschenken, um ihre Besitzer zu dauerhaften Kerosin-Kunden zu machen. 

Oil for the lamps of China”, wurde zum Sprichwort und Motto unter amerikanischen Geschäftsleuten. Und Rockefellers Strategie sollte von nun an für immer zum Handwerkszeug des Marketing-Profis gehören, obwohl das Wort Marketing damals noch nicht erfunden war. Das Verschenken von Produkten aus Gründen des Profits ist bei Apps besonders verlockend. Denn im Gegensatz zu einer Kerosinlampe kostet eine verschenkte App gar nichts.

Lesen Sie im nächsten Teil, wie Freemium zu seinem Namen kam.

1 Kommentar

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