App Economy

Mobile-Marketing und -Strategie von Josef Mayerhofer

WhatsApp-David vs. iMessage-Goliath

david-goliath-whatsapp-apple

Nachdem Apple auf der WWDC Anfang Juni eine Reihe von neuen iOS Features vorstellte, die man schon in der ein oder anderen App oder bei der Konkurrenz gesehen hat, ging ein mehr oder weniger hörbarer Aufschrei durch die Blogs der Apple-Jünger und -Entwickler.
„Die SMS ist tot!“, lese ich an allen Ecken. iMessage, ein integrierter iPhone-zu-iPhone Chat-Client soll unsere Art, SMS zu nutzen, revolutionieren. Super, denn SMS-Schreiben fand ich immer schon nervig!
Was ich in all der (übertriebenen) Aufregung nicht gelesen habe: Was bedeutet die neue Erweiterung für bestehende Apps wie den WhatsApp Messenger?
Zugegeben, WhatsApp hat Instant Messaging nicht erfunden, aber die App war sicherlich ein Vorreiter. Zum ersten Mal musste man nicht mühselig Kontakte eintragen um am Handy gleich chatten zu können. Und inzwischen ist WhatsApp für verschiedenste Plattformen verfügbar, was es für viele zum vollwertigen SMS/MMS/IM-Ersatz macht.
Genau das könnte WhatsApp den Kopf retten. WhatsApp hat einen deutlichen First-Mover-Vorteil und konnte seit Veröffentlichung im Juni 2009 rund 15 Millionen User mobilisieren. Eine Nutzerbasis, die sich selbst dann noch sehen lassen kann, wenn Apple im Herbst wie durch Magie Millionen von iMessage-Nutzern erschafft.

whatsapp-vs-imessage Screenshots

Screenshots: Whatsapp (links) and iMessage (rechts)

WhatsApp-Chatter profitieren von Netzwerkeffekten: Je mehr ihrer Freunde die App nutzen, desto besser für jeden Nutzer. In diesem Zusammenhang spricht man auch von positivem Feedback: Mit jedem zusätzlichen Nutzer steigt die Wahrscheinlichkeit für WhatsApp, weitere Nutzer anzuziehen. Im Extremfall geht das so weit, dass der Markt für ein Softwareprodukt von einem Unternehmen beherrscht wird. Da denkt man gleich an Microsoft. Ein gutes Beispiel, dessen Geschichte ich in einem späteren Blogpost aufrollen werde.
So weit die Theorie. Aber waren wir vorhin nicht an dem Punkt, wo die Chefs von WhatsApp die Hosen voll haben müssten? Ja und Nein.
Die Jungs und Mädels von WhatsApp haben schon vor einiger Zeit Weitblick bewiesen und haben die App auch für Nokia, Blackberry und Android verfügbar gemacht. Und um dem die Krone aufzusetzen, ist die App für diese Plattformen zunächst kostenlos. Erst ab dem zweiten Jahr fallen zwei Dollar Jahresgebühr an. Auch sehr schlau, denn nach einem Jahr intensiver Nutzung sind die chatfreudigen Handybesitzer einem starken Lock-In Effekt ausgesetzt. Das Wechseln der Chat-App verursacht Kosten und seien es nur die Kosten des verlorenen Komforts. WhatsApp kann so statt einer Einmalzahlung einen Zahlungsstrom über mehrere Jahre erzielen und die Einnahmen vervielfachen.
Die Multi-Plattform-Strategie wird WhatsApp nach der Einführung von iMessage enorm helfen. Die wenigsten von uns haben nur iPhone-Bekanntschaften. (Um ehrlich zu sein, haben die meisten meiner Freunde entweder gar kein Smartphone oder sind nicht fähig oder willens eine Chat-App zu installieren.) Es ist natürlich gar nicht im Interesse von Apple, auch das Chatten zwischen iPhones und der Blackberry-Chat-App „BBM“ zu erlauben. Schließlich sollen die Kunden schön an die eigene Plattform gebunden werden und wenn möglich auch noch Freunde zum Wechseln bringen. Womit wir wieder bei Netzwerkeffekten wären.

 

WhatsApps Competitive Advantage ist also die weitaus größere potenzielle Reichweite über mehrere Betriebssysteme hinweg. Ich schätze die Chancen gut ein, dass sich der Umsatzrückgang ab Herbst in Grenzen hält. Es wäre jedenfalls eine schöne David-gegen-Goliath-Erfolgsgeschichte.

 

 

Bilder: Gustave Doré, Vincent Benedict Castro, Ablo Herrero Isasi

1 Kommentar

  1. I totally vote for WhatsApp to win the fight.

    In my eyes, Apple just ripped it off.

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