grow_vs_notification_center

Leider ist es inzwischen fast schon zur Regel geworden: Jede Software-Enthüllung von Apple hat einen mehr oder weniger bitteren Beigeschmack für Indie-Entwickler.

Gestern wurde uns ohne großen Tamtam OS X Mountain Lion vorgestellt, das viele schöne Neuerungen enthält. Die meisten Neuerungen kennt man schon von iOS, so etwa die Benachrichtigungen. Doch, so stellt es unter anderem John Gruber (daring fireball) dar, die Notifications erinnern sehr stark an Growl, ein Open Source Benachrichtigungssystem für Mac OS. Das Tool hat bereits mehr als sieben Jahre auf dem Buckel und wagte zum Leidwesen Vieler letztes Jahr den Schritt von der Freeware-App zum kostenpflichtigen App-Store-Tool. Treue Fans (wie ich), hatten selbstverständlich kein Problem das Projekt rund um Christopher Forsythe mit 1,59 Euro zu unterstützen.

Growls Vorzüge haben auch andere Entwickler entdeckt und für die eigene App ausgeliehen. Skype lässt den Nutzer seit Version 5 zwischen den hauseigenen „Visual Notifications“ und Growl wählen, zuvor mussten die Nutzer auf jeden Fall Growl nutzen. Nun bietet ab diesem Sommer auch OS X Mountain Lion Benachrichtigungen an, die in der oberen rechten Ecke aufblenden und dann wieder verschwinden. Growl lässt grüßen.

grow vs notification center Vergleich

Growl links und Apples Notifications rechts

Apple bedient sich viel zu häfig der Ideen und Konzepte der Entwickler die Ihre kreative Energie ohnehin schon zu Apples Nutzen einsetzen. Bei der Vostellelung von iOS5 war dies besonders offensichtlich und ich war nicht der einzige der über Fälle wie den von Whatsapp vs. iMessage berichtet hat. Ein anderes Beispiel ist Delicious Library. Wil Shipley fiel die Kinnlade herunter als er bei der Apple Keynote im Januar 2010 die Oberfläche der neu vorgestellten iBooks-App zu sehen bekam.

 

„Es ist anscheinend nicht genug, dass Apple nun jeden meiner Mitarbeiter bei Delicious Library abgeworben hat. Sie mussten auch den Look meines Produkt kopieren.“

Später gab er sich in einem Interview mit TechCrunch sehr nüchtern:

„Nun, natürlich konnte Apple mich nicht vorher nicht kontaktieren sagen, „Hey, wir nehmen deine Idee, Danke“. Apples Anwälte würden sich Sorgen machen, sich  einem riesigen Rechtsstreit zu öffnen. Außerdem würde die Firma auch ein Geheimnis preisgeben. Auch konnte sie mir keinen Scheck ausstellen. Jedes noch so kleine Zeichen der Wertschätzung wäre (in den Augen derAnwälte) ein Schuldeingeständnis, dass sie etwas kopiert haben. Apple ist ein börsennotiertes Unternehmen – das niemandem einen Scheck ausstellen kann, wenn es nicht einen gewissen Gegenwert bekommt. Und wenn es einen Wert gibt, würden die Anwälte fragen, wie viel war es? Wie wurde der Wert bestimmt?“

Ihm bleibt zumindest der Stolz für sein Werk:

„Meine Entwürfe sind meine Kinder. … Aber deine Kinder gehören nicht wirklich dir. Sie haben ein eigenes Leben. Wenn deine Entwürfe also die Welt verändern, musst du es akzeptieren.Du musst sagen: „OK, das war so eine gute Idee, andere Menschen nehmen sie und benutzen sie für sich selbst. Ich gewinne.““

Es sieht fast so aus, als müsste sich das Growl-Team auch so eine Einstellung zulegen. Denn die Lock-In-Effekte sind bei Growl deutlich schwächer ausgeprägt, als beim WhatsApp Messenger. Und für die Entwicklergemeinschaft bleibt zu hoffen, dass der öffentliche Druck Apple in Zukunft dazu bringen wird, doch Lizenzgebühren für die fremden Ideen zu bezahlen.